Rios mit skandalösem Punktsieg / Alvarado gewinnt Schlacht gegen Herrera!
- Erstellt am Sonntag, 15. April 2012 06:02
- Geschrieben von Text: Morten König: Foto: Bryan Horowitz
In der Nacht von Samstag auf Sonntag bekamen die Zuschauer bei HBO die ganze Bandbreite des Boxens zu sehen. Mauricio Herrera und Mike Alvarado lieferten sich eine epische Schlacht, die im Rennen um den Fight of the Year klar vorne liegen dürfte. Kurz darauf klammerte sich Richard Abril mit einer schmutzigen Taktik scheinbar zum Sieg, ehe er eine skandalöse Punktniederlage gegen Brandon Rios hinehmen musste, bei der keiner der Boxer wirklich überzeugen konnte.
Mercito Gesta, 24(12)-0-1, traf im ersten Kampf der Übertragung auf Oscar Cuero, 15(12)-7(1)-0. Gesta, der auf den Philippinen bereits als Pacquiao-Nachfolger gehandelt wird, startete aggressiv und baute immensen Druck auf, dem sich Cuero nur durch absolutes Defensivboxen zu erwehren wusste. So kam es, dass Gesta den Kampf bestimmte, während sein Gegner nur am laufen war. Erst in Runde 3 kam Cuero auf, da der sonst so technische Gesta Lust hatte, sich zu prügeln. Es entstand ein Brawl, in dessen Verlauf Cuero mehrere Schlaghände bei Gesta unterbringen konnte. Dieser blieb aber trotzdem der bestimmende Mann, da er deutlich aktiver und variabler war. In Runde 5 erhielt Cuero zudem einen Punktabzug wegen Haltens. Gestas Druck machte sich nun zunehmend bemerkbar, da Cueros Übersicht schwand und die Treffer des Philippinen zunahmen. Von zunehmender Verzweiflung getrieben schaltete Cuero nun in in den Vorwärtsgang und wühlte sich in den Infight, wo er tatsächlich zum Erfolg kam. Gestas Defensive wirkte schwächer als sonst, und zahlreiche Rechte Cueros landeten im Ziel. Nach einer Serie von Körpertreffern musste der Kolumbianer aber in der 7. Runde zu Boden. Er stand allerdings wieder auf und rächte sich mit einer Serie von Haken, die Gesta kalt erwischten. Aber ein weiterer Niederschlag in Runde 8 sicherte Gesta den Sieg. Erneut war es ein Körperhaken, der die Wirkung erzielte. Dazu kam ein präziser Treffer auf die Schläfe. Der Ringrichter brach ab und Gesta konnte einen TKO in Runde 8 verbuchen. Eine ordentliche Leistung des Philippinen, der aber noch an seiner Defensive arbeiten muss.
Jetzt trafen Mike Alvarado, 33(23)-0-0, und Mauricio Herrera, 18(7)-2(0)-0, aufeinander. In einer engen 1 Runde kamen Beide Boxer zu Treffern. Herrera arbeitete vor allem im Infight, während Alvarado die härteren Schläge im Ziel hatte. Aber bereits in der 2 Runde machte sich Alvarados Physis bemerkbar. In einem offenen Schlagabtausch, welcher die Zuschauer von den Sitzen riss, kassierte Herrera zahlreiche Volltreffer, die seinen Kopf herum rissen. Aber auch Alvarado musste viele Treffer nehmen, da Herrera stets mit Kombinationen antwortete. Auch Runde 3 wurde ein Kracher. Herrera fand sich nun an den Seilen wieder und lieferte sich einen wilden Schlagabtausch mit Alvarado, in dessen Verlauf beide Kämpfen Volltreffer landeten. Es bahnte sich ein „Fight of the Year“ Kandidat an. In Runde 3 konnte Herrera die besseren Treffer landen, da er im Infight die besseren Reflexe hatte. Alvarado wirkte nun unpräzise. Beide Kämpfer waren bereits gezeichnet. In den Runde 4 und 5 etablierte sich das Muster, dass Alvarado die schweren Wirkungstreffer landete, Herrera dafür aber mit Kombinationen antwortete, die voll im Ziel waren. Nach einer brutalen 6. Runde, in der es abermals zu einem wilden Brawl kam, war Herrera schwer über dem linken Auge gezeichnet. Auch Runde 7 wurde eine wilde Keilerei, in deren Verlauf sich Herreras Auge vollkommen schloss. Trotzdem feuerte der Kalifornier weiterhin zurück und ließ seine Kombinationen regelrecht auf Alvarado niederprasseln, der seinerseits eine Bombe nach der anderen ins Ziel brachte. Diese Treffer machten sich nun auch bemerkbar. In der 9. Runde arbeitete Herrera kaum noch und übte sich verzweifelt in der Defensive, während Alvarado den KO suchte. Das schwer verletzte Auge schien Herrera ernsthaft zu behindern. Dennoch fasste sich Herrera ein Herz und lieferte sich in der 10. Runde einen weiteren, brutalen Schlagabtausch mit Alvarado. Die Zuschauer sprangen begeistert auf, als die beiden Krieger ohne Unterlass aufeinander ein prügelten. Als der letzte Gong erklang, war die Spannung groß. Nach einem engen Kampf war das Urteil, 99-91, 97-93 und 96-94 für Alvarado, viel zu hoch. Es war ein Kampf, der keinen Verlierer verdient hatte. Beide Boxer kassierten vom Publikum Standing Ovations, die sich sowohl Alvarado als auch Herrera mehr als verdient hatten.
Im Anschluss an diesen Krieg kam es zum Hauptkampf zwischen Richard Abril, 17(8)-2(0)-1, und Brandon Rios, 29(21)-0-1. Ursprünglich sollte der WBA Titel im Leichtgewicht an den Sieger gehen. Aber da Rios zu schwer beim Wiegen erschien, stand der Titel nur für Abril auf dem Spiel. Der Kubaner startete besser in den Kampf und bestimmte die 1. Runde aus dem Rückwärtsgang. Erst kurz vor Ende kam Rios auf und brachte seinen Kontrahenten prompt mit einer Rechten zum wackeln. Auch in Runde 2 landete Rios die härteren Treffer, während Abril sich im Klammern übte. Auch Runde 3 ging klar an Rios, der den Kampf nun übernahm und Abril so sehr in die Defensive zwang, dass kaum noch Schläge zurück kamen. Stattdessen klammerte der Kubaner weiter. Dieses Muster etablierte sich nun. Rios frustrierte zusehends und verlor einige Runden an Abril, der sich in dieser Phase beim Publikum unbeliebt machte, indem er fast nur noch am Klammern war. Ab und an feuerte er eine Kombination ab, was zum Gewinn der Runden aber ausreichte. Erst in Runde 8, nach einer Warnung des Ringrichters, änderte Abril seine Taktik und wurde sofort von Rios Haken erwischt. Kurz darauf verlagerte sich der Kubaner aber wieder aufs Klammern. Warum Ringrichter Vic Drakulic keine Punktabzüge oder gar eine DQ anstrengte, blieb bis zum Ende sein Geheimnis. Tatsache ist, dass der Kampf zunehmend unfairer wurde, und Rios vollkommen frustriert, limitiert und kraftlos wirkte. Am Ende schien Abril als klarer Sieger da zu stehen – Aber Rios bekam die Entscheidung, welche sicherlich umstritten ist. Eine Fehlentscheidung, welche Rios beschämt mit einem Geschenk zurück lässt. Mit Ruhm bekleckern konnte sich in diesem Kampf keiner der Beiden Kontrahenten.



































