Sven Ottke zum Chemiepokal - „In Halle war über vier Tage die Hölle los“
- Erstellt am Dienstag, 28. Februar 2012 14:52
In Halle/Saale steigt vom 14.-17. März der 39. Chemiepokal. Ein Grund für FIGOsport mit Sven Ottke, den ehemaligen Turniersieger und Profiweltmeister, über den bedeutenden Wettkampf zu sprechen. (Infos unter www.chemiepokal.de)
Herr Ottke, Sie konnten 1994 den Chemiepokal gewinnen. Was hat Ihnen der Sieg bedeutet?
Sven Ottke: Das TSC Turnier und der Chemiepokal waren die zwei bedeutenden Turniere, die es gab. Das gilt auch international. Das waren die schönsten Turniere. Dabei weit vorn zu sein, war etwas ganz Großes.
Hat sich mit Ihrem Sieg viel für Sie verändert?
Sven Ottke: Ich hatte schon andere Turniere gewonnen und war Europameister. Trotzdem war es etwas Besonderes für mich. Ich komme aus dem Westen und wir wussten, dass Kuba, als Boxnation Nummer Eins, immer mit einem starken Aufgebot anreist. Gegen einen Kubaner zu boxen war immer eine heikle Angelegenheit. Es war eine riesengroße Herausforderung. In Halle war immer über vier Tage lang die Hölle los.
Hat das Turnier noch immer diesen hohen Stellenwert?
Sven Ottke: Es gab schwere Zeiten für das Turnier. Eine Zeitlang waren nicht mehr alle Gewichtsklassen mit 16 Boxern besetzt. Wir mussten früher vier bis fünf mal boxen. Inzwischen geht aber wieder die Post ab. Es ist eine Frage des Geldes. Ohne Sponoren kannst du nicht 150 Teilnehmer kämpfen lassen. Der logistische Aufwand solch eines Turniers ist gigantisch.
Wie kann man das Olympische Boxen in Deutschland weiter beleben?
Sven Ottke: Die Profis und die Amateure müssen mehr zusammenarbeiten. Wenn du keine guten Amateure hast, kommen auch keine Profis mehr heraus. Bei den Profis werden Millionen umgesetzt. Hier muss für die Amateure etwas abgezweigt werden. Wenn die Boxer gut versorgt sind, können die bei EM und WM starten oder Olympiasieger werden. Vor 25 oder 27 Jahren sollte kein Sportler über einen Wechsel ins Profilager nachdenken. Davon haben später alle etwas. Erst wenn der Erfolg da ist, darf gewechselt werden.
Wo haben sie sich am Wohlsten gefühlt: bei den Profis oder Amateuren?
Sven Ottke: Ich wollte nie Profi werden. Dass hat sich per Zufall ergeben. Ich war schon fast 30. Ich war viel zu alt. Mir hat das Olympische Boxen viel bedeutet und ich wollte auch noch einmal zu Olympia fahren. Mein Trainer Ulli Wegner ist nach den Olympischen Spielen 1996 gewechselt und hat mich heiß gemacht auch zu den Profis zu wechseln. Profiboxen und Olympisches Boxen sind für mich zwei verschiedene Sportarten.
Wie kann das Olympische Boxen mehr mediale Präsens erreichen?
Sven Ottke: Alle vier Jahre, wenn ein deutscher Athlet weit vorne landet, gibt es im Rahmen der olympischen Berichterstattung ein überregionales Interesse. Das dauert dann 14 Tage und danach sind die Sportler wieder vergessen. So geht es Ruderern, Kanuten, Ringern, Judokas und vielen mehr. Einmal alle vier Jahre im Mittelpunkt. Dabei verdrängen sie alles und dann sind sie wieder weg. Es war immer so und wird immer so sein.



































