Chemiepokal Tag 1 (Vormittag)
- Erstellt am Donnerstag, 15. März 2012 00:35
Bereits am ersten Tag des Traditionsträchtigen Chemie-Pokals war der große Saal im Maritim Hotel zu Halle bestens gefüllt. Zahlreiche Kämpfer, die aus der ganzen Welt angereist waren, warteten in Gesellschaft der gespannten Zuschauer auf ihren Einsatz.
Halbfliegengewicht
Den Anfang machten Manuel Cappai (Italien) und Santos Vasquez (USA), die sich im ersten Halbfliegengewichts-Kampf trafen. Der Amerikaner startete druckvoll und setzte Cappai bereits in Runde 1 ordentlich zu. Er sprang schnell in den Mann, feuerte Körper-Kopf Kombinationen ab und neutralisierte den Italiener auf diese Weise, der seinerseits kaum Gelegenheit bekam, selber aktiv zu werden. Auch in Runde 2 übernahm der 21 Jährige Vasquez die Kontrolle und trieb seinen Gegner durch den Ring. Besonders sein Linker Körperhaken stellte sich als äußerst wirkungsvoll heraus. Dieses Muster setzte sich auch in Runde 3 fort, welche zugleich auch die letzte war. Cappai blieb viel zu harmlos, um seinen Kontrahenten zu gefährden. Diese Meinung teilten die Punktrichter allerdings nicht. Cappai wurde zum Sieger ausgerufen, was eine klare Fehlentscheidung darstellte. Der Punktestand von 21-9 ließ viele Leute den Kopf schütteln. Santos Vasquez hinterließ eine der stärksten Leistungen des Tages und sollte den Mut durch diese Niederlage nicht verlieren.
Carlos Quipo (Ecuador) und Paulo Carvhalo (Brasilien) fochten nun aus, wer den ersten Südamerikanischen Sieg der Woche für sich verbuchen sollte. Carvhalo startete schneller, machte mehr, sah sich aber den Kontern seines Ecuadorianischen Gegners gegenüber. Diese wurden in den ersten Beiden Runden stark von den Punktrichtern bewertet, weshalb der Brasilianer im Schlussdurchgang auf die vorzeitige Entscheidung drängte. Tatsächlich landete er einen kraftvollen Linken Haken, der Quipo leicht zum Wackeln brachte. Sofort setzte Carvhalo nach und prügelte seinen Kontrahenten mit Volltreffern durch den Ring. Eigentlich hatte man den Eindruck, Carvhalo hätte genug für den Sieg getan. Aber auch in diesem Fight wurden die klaren Treffer mehr bewertet, als der Fleiß. Quipo konnte einen 15-14 Sieg einstreichen. Ein knapper Triumph.
Leichtgewicht
Nun trafen Fatih Keles (Türkei) und Ivan Obradovic (Österreich) aufeinander. Ein äußerst aggressiv geführter Kampf nahm seinen Lauf. Beide Boxer stellten sich Fuß an Fuß, um dort von der ersten Runde an wilde, aber dennoch technisch versierte Kombinationen austauschten. Dabei fiel der Österreicher neben seinen Körperhaken vor allem durch seine Lautstärke auf, da er bei vielen Schlägen einen heiseren Schreu ausstieß. Keles ließ sich davon aber nicht beeindrucken und sicherte sich die ersten Beiden Runden. Dies führte zu einer knappen Führung Keles. In Runde 3 gaben Beide Boxer noch einmal alles. Eine regelrechte Schlacht nahm ihren Lauf, bei der Obradovic noch einmal alles nach vorne warf. Aber es reichte nicht. Keles ließ seinerseits nichts anbrennen und siegte am Ende relativ klar mit 15-7.
Nun kam es zum Duell zwischen Quianxun Hu (China) und dem favorisierten Dimitry Polyanskiy (Russland). Ein sehr technisches Duell nahm seinen Lauf, in dessen Verlauf sich Beide Boxer gegenseitig im Auge hatten, um auf Kontermöglichkeiten zu lauern. In Runde 1 und 2 wurden, von den ausgetauschten Jabs einmal abgesehen, nur selten klare Treffer gelandet. Am ehesten war es noch der Russe, dessen Schlaghand Zweimal am Kinn von Hu landete. Ein ähnliches Bild ergab sich auch in Runde 3, was zu einem 14-9 für Dimitry Polyanskiy führte.
Pedru Apostol (Moldawien) bekam es nun mit Gani Zhailauov (Kasachstan) zu tun. Letzterer startete auch sofort mit schweren Treffern in den Kampf, welche durch Apostols schlechte Deckung begünstigt wurden. Auch in Runde 2 setzte sich dieser Trend fort, als Zhailauov mehrere Rechte ins Ziel bringen konnte. Der Moldawier nahm die Volltreffer ohne mit der Wimper zu zucken, vermochte es aber nicht, selber Akzente zu setzen. Zhailauovs Technik war zu viel für ihn. Mit einer starken Schlussrunde machte der Kasache den Sieg schließlich klar und strich ein klares 13-5 ein, für das er vom Hallenser Publikum den verdienten Applaus kassierte.
Eugen Burghardt (Deutschland) und Rachid Azzedine (Frankreich) lieferten sich nun einen sehr technischen Kampf, bei dem Beide auf Lücken ihres Gegners lauerten. Es wurden nur sehr wenige Treffer gelandet, wobei sich der Frenzose meist im Vorwärtsgang befand. In den ersten Beiden Runden wechselte die Führung immer mal wieder, da sich Beide Athleten auf Augenhöhe begegneten. Dies führte dazu, dass sich keiner so recht absetzen konnte. Vor der letzten Runde führte Burghardt mit nur einem Punkt. Doch Azzedine erzielte mit einer Kombination Wirkung, welche der Deutsche durch Klammern zu kaschieren suchte. Nachdem Beide stolpernd zu Boden gingen, verteilte der Ringrichter Punktabzüge an Beide Boxer. Durch diese kleine Verschnaufpause konnte sich Burghardt erholen, wirkte aber während dem Rest der Runde sehr passiv. Der Franzose versuchte dies auszunutzen, kassierte aber kurze Zeit später einen weiteren Punktabzug wegen Unsauberkeiten. Daher wurde es trotz einer überlegenen Schlussrunde Azzedines spannend. Nach 3 Runden stand es 8-8, aber da es beim Chemie Pokal keine Unentschieden gibt, entschied man sich dafür, den Franzosen zum verdienten Sieger zu küren. Eine starke Leistung, bei der Azzedine es sich aber schwerer gemacht hatte, als unbedingt nötig.
Mittelgewicht
Jiletu Chaoge (China) und Luca Capuano (Italien) kollidierten nun im ersten Mittelgewichtskampf. Der Italiener, der aus der Rechtsauslage boxte, erarbeitete sich rasch einen kleinen Vorteil, indem er ein gutes Auge bewies und eine handvoll Kombinationen an den Mann brachte. Allerdings konnte Chaoge einige Konter ins Ziel bringen, mit deren Hilfe er den Kampf eng halten konnte. Aber Capuano blieb zäh. In Runde Zwei landete er Drei Volltreffer dicht hintereinander. Der Chinese blieb stehen, offenbar bereit zum Abschuss. Doch Chaoge kam urplötzlich mit einem Rechten Volltreffer zurück, welcher den Italiener vorerst zurückschrecken ließ. Dennoch führte er vor der letzten Runde mit 11-7, was Chaoge unter zugzwang setzte. Doch von einer brutalen Rechten, die Capuano nicht kommen sah, einmal abgesehen, schaffte es der Chinese nicht, etwas nennenswertes zu erreichen. Er marschierte zwar, kassierte aber immer wieder die steifen Geraden seines technisch überlegenen Gegners. Am Ende stand ein 17-12 für Capuano zu Buche.
Nun trafen sich Marlo Delgado (Ecuador) und Dmitry Bivol (Russland). Während Delgado sich kämpferisch gab und von der ersten Sekunde an marschierte, agierte Bivol eher verhalten und ging die Sache Technisch an. Runde 1 verlief eng, vielleicht mit leichten Vorteilen für Bivol, der seinen Jab etablieren konnte. Delgado konnte aber nichts desto trotz eine Reihe Treffer ins Ziel bringen, die zwar in der minderheit, dafür aber ungleich spektakulärer waren. Bivol boxte auch in Runde 2 seinen Stiefel runter, während der Ecuadorianer allmählich warm wurde und den Druck erhöhte. Er kam besser an Bivol heran und landete zahlreiche Haken. In Runde 3, welche zugleich auch den Schlussudurchgang markierte, gaben Beide Kämpfer noch einmal alles. Sowohl Dalgado als auch Bivol hatten im Verlauf der Drei Minuten ihre Momente, sodass es letztlich auf die Frage hinauslief, welcher Stil den Punktrichtern besser gefallen hatte. Wie sich herausstellte, waren es die sauberen, technisch überlegenen Schläge Bivols, welche mehr Zähler erbracht hatten. Mit 14-4 war das Ergebnis zwar verdient, fiel aber ein bisschen zu deutlich aus.
Jetzt kam es zum Gefecht zwischen Davide Faraci (Schweiz) und Danabek Suzhanov (Kasachstan), bei dem sich bereits in der ersten Runde ein klarer Favorit heraus kristallisierte. Suzhanov nutzte die Deckungslücken seines Kontrahenten, indem er sich geschickt Lücken ausguckte und dann mit schnellen Fäusten zuschlug. Faraci nahm die Gegentreffer hin, musste aber mit ansehen, wie seine eigenen Offensivbemühungen rasch im Sand verliefen. Auch in Runde 2 ergab sich ein ähnliches Bild. Sauzhanov baute seine Führung aus und lag vor der 3ten Runde klar vorne. Faraci wirkte bereits zermürbt, als er aus der Ecke kam, um die letzten Drei Minuten zu bestreiten. Suzhanov setzte nach, erzielte aber nur wenig Wirkung. Das Kinn Faracis hielt den starken Händen des Kasachen stand. Bei einem Endstand von 17-4 gab es aber auch so keinen Zweifel am Sieg Suzhanovs, der einen äußerst starken Eindruck hinterließ.
Andrei Bogdan Juratoni (Rumänien) und Darren O´Neill (Irland) trafen sich nun zu einem weiteren Mittelgewichtskampf. Von Beginn an setzte O´Neill, der 180 Siege aus 200 Kämpfen vorweisen kann, die klareren Treffer. Sein Timing ließ Juratoni kaum eine Chance, der von gelegentlichen Jabs einmal abgesehen, kaum etwas ins Ziel brachte. In Runde 2 erhöhte O´Neill das Tempo noch einmal und landete eine Reihe von Haken, die voll ins Ziel trafen. Das Ergebnis war, dass Juratoni zu Beginn des Dritten und letzten Durchgangs klar zurück lag. Mit dem Herz eines Löwen warf er sich auf den Iren, der sich auf einmal in der Ecke wieder fand und Zwei Rechte Geraden nehmen musste. O´Neill taumelte, wirkte kraftlos und hielt. Er war nicht wirklich angeschlagen, schien aber zermürbt. Der Widerstand des Iren bröckelte. Juratoni setzte nach und konnte bis zum Schlussgong zahlreiche harte Treffer für sich verbuchen. Doch am Ende reichte der Vorsprung O´Neills, um einen knappen 13-16 Sieg für sich verbuchen.
Esquiva Florentino (Brasilien) und Arbis Chakaev (Österreich) trafen nun aufeinander. Während der Brasiliener von Beginn an in den Mann rein sprang, um dort Haken zu landen, versuchte es Chakaev mit technischerem Boxen. Florantino schaffte es im Verlauf der 1ten Runde jedoch, den Österreicher in wilde Schlagwechsel hinein zu ziehen. Dort hatte er deutliche Vorteile gegenüber Chakaev, der immer wieder Aufwärtshaken schluckte. Dies setzte sich auch in den kommenden Runden fort, in denen der Österreicher kein Mittel gegen den unorthodoxen Stil Florentinos fand. Mit einer hohen Schlagfrequenz, viel Fleiß und der unerbittlichen Aggression, die Florantino sein Eigen nannte, konnte er Chakaev in die Schranken weisen und mit 20-11 bezwingen.
Im letzten Kampf vor der Mittagspause kam es zum Gefecht zwischen Badreddine Haddioui (Marokko) und Abdelmalek Rahou (Algerien). In einem von Beginn an sehr taktisch geführten Kampf erarbeitete sich Rahou zuerst Vorteile. Doch in Runde 2 kam sein Marokkanischer Gegner besser in den Kampf und erreichte mithilfe seines Jabs, dass er näher heran kam. Es war ein Kampf, in dem die Kontrahenten verbissen fighteten, ohne ihre technisch Linie zu verlieren. Nach einer engen 3ten Runde schien Rahou hauchdünn gewonnen zu haben, da er im Verlauf der letzten Runde einige male mit seiner Schlaghand durchgekommen war. Und so kam es dann auch. Bei einem Stand von 9-9 wurde der Algerier zum Sieger ausgerufen.

































