Huck ein echter Gewinn für das Schwergewichtsboxen
- Erstellt am Sonntag, 26. Februar 2012 13:01
- Geschrieben von Andres Grunwald
Die Frage, die sich wohl jeder Boxfan in Deutschland VOR Marko Hucks erstem Auftritt im Schwergewicht stellte, war wohl:
„Grosse Klappe, X dahinter?“
Jetzt haben wir die Antwort erhalten: „Grosse Klappe, viel dahinter!“
Wenn man die lässige Siegessicherheit, die Huck selbst noch an den letzten Tagen vor dem Fight an den Tag legte, auf sich wirken ließ, dann war man versucht zu glauben, dass er gedanklich bereits in klitschkoesken Sphären schweben und Povetkin lediglich als Durchgangsstation auf seinem Weg dorthin ansehen würde. Und man fragte sich besorgt, ob Uli Wegner seinen Schützling noch auf dem Boden der – gerade im Schwergewicht verdammt – harten Tatsachen würde halten können.
Natürlich schossen mir vor diesem Fight, der mich bereits im Vorfeld elektrisieren konnte, tausend Dinge durch den Kopf. Als „Nur-Ringfotograf“ habe ich zwar keine Experten-Kompetenz, aber durchaus eine eigene Meinung, die in diesem speziellen Fall äußerst zweigeteilt war. Denn Mein Kopf favorisierte Povetkin, mein Gefühl den leichten Herausforderer.
Wenn man sich nun den Kampf und das „offizielle“ Ergebnis ansieht, so breitet sich in mir ein gewisses Unbehagen aus, weil mein Kopf zu Unrecht Recht hatte (Povetkin hätte nach meinem Ermessen nicht als Sieger den Ring verlassen dürfen) und mein Gefühl genauso (Huck war in dieser Auseinandersetzung über die Runden und vor allem in der zweiten Hälfte des Kampfes für mich der überlegene Boxer).
Worauf wir auch schon wieder bei dem leidigen „Hätte-Wäre-Wenn“ angekommen sind: Was wäre gewesen, wenn sich Herr Pabon, seines Zeichens renommierter Ringrichter in einem der weltgrößten Boxverbände, nicht jedes Mal todesmutig dazwischen geworfen hätte, als Huck drauf und dran war, den verteidungsunfähig abgeduckten Povetkin den Final Hit zu verpassen? Was wäre, wenn Huck den abgeduckten Titelverteidiger nicht jedes Mal von oben mit Schlägen auf den Hinterkopf hätte erlegen wollen und stattdessen seitliche Haken angesetzt hätte? Wäre Pabon dann auch dazwischengegangen? Was wäre, wenn Herr Pabon das ständige Wegducken Povetkins gelegentlich auch mal ermahnt und dann mit Punktabzug geahndet hätte?
Aber sind es nicht gerade diese strittigen Ergebnisse, die uns Boxfans nach einem solch phantastischen Fight zweier großartiger Neuzeit-Gladiatoren nach einem Rückkampf rufen lassen?
Wo sonst in der Schwergewichtsszene – Pressekonferenzen in München mal ausgenommen – gähnende Langeweile herrscht, sind hier zwei Männer in den Ring gestiegen, von denen BEIDE auf Worte auch Taten haben folgen lassen und haben uns eine Ringschlacht auf die TV-Schirme gezaubert, wie wir sie seit V.Klitschko vs Lennox Lewis nicht mehr gesehen haben.
Mein Dank und meine Komplimente gehen an beide großartigen Kämpfer, und ich denke, ich spreche jedem Boxfan aus der Seele wenn ich fordere:
MEHR DAVON!!!



































