Chemiepokal: Tag 3 (Abend)
- Erstellt am Samstag, 17. März 2012 00:20
Auch am Abend wurde im Maritim Hotel zu Halle wieder geboxt. Für die zahlreichen Boxer der Klassen Halbfliegen-, Bantam-, Welter-, Halbschwer- und Superschwergewicht ging es um das Erreichen des Finales.
Rahmenkampf
Vor Beginn der eigentlichen Hauptkämpfe durften sich die Zuschauer noch auf sehr interessante Rahmenkämpfe freuen. Rojas Anderson (Ecuador) und Levan Dolenjashvi (Österreich) traten vor das gut gelaunte Publikum, um den Sieger auszufechten. Der Mann aus Ecuador versuchte es zuerst mit Körpertreffern aus der Distanz, während Dolenjashvi erst einmal verhalten begann. Erst Mitte der Runde kam die ersten Kombination vom Österreicher, die von Anderson aber sofort mit einem Linken Haken bedacht wurde. Trotzdem reichte es für Dolenjashvi, um mit 4-2 davon zu ziehen. Davon schien der amtierende Österreichische Meister motiviert zu werden, da er in Runde 2 weitaus besser in den Kampf fand. Mit 11-7 startete er in den 3ten und letzten Durchgang. Anderson attackierte nun wesentlich entschlossener. Er bäumte sich gegen die drohende Niederlage auf, und kam mit seinen Körpertreffern vom Erfolg. Doch es reichte nicht. Levan Dolenjashvi siegte mit einem 17-14.
Halbfliegengewicht
Jetzt war es Zeit für die Hauptkämpfe! Den Anfang machten Hamza Touba (Deutschland) und Paddy Barnes (Irland), die Beide durch starke Leistungen am Vortag aufgefallen waren. Während Touba erst einmal abwartend aus der Distanz agierte, konnte der Ire bereits im Verlauf von Runde 1 zahlreiche Körpertreffer ins Ziel bringen. Trotzdem führte der Deutsche am Ende des Durchgangs mit 4-2. Ungeachtet dessen arbeitete Barnes weiterhin bevorzugt zum Körper, wobei er aber auch ab und an einen Linken Haken einstreute. Touba fiel in erster Linie durch Unsauberkeiten auf. Wie es zu einer 11-7 Führung für den Deutschen kam, blieb das Geheimnis der Punktrichter. Barnes, der nun unter Zugzwang war, brannte in der Folge ein wahres Schlagfeuerwerk ab. Leberhaken wechselten sich mit harten Uppercuts ab, die Touba vollkommen neutralisierten. Dass der Deutsche trotz allem mit 15-12 siegte, war ein klares Fehlurteil.
Belik Galanov (Russland) setzte sich nun mit Manuel Cappai (Italien) auseinander. Cappai hatte in seinen ersten Beiden Kämpfen etwas Glück gehabt. Vor allem sein Fight gegen Santos Vasquez war eine klare Fehlentscheidung gewesen. Galanov schien dies zu wissen, da er loslegte, wie die Feuerwehr. Dass er bei einer hohen Schlagfrequenz trotzdem konzentriert blieb, sprach für seine Klasse. Nach Runde 1 stand es 4-2 für den Russen. Cappai mühte ich im Rahmen des 2ten Durchgangs zwar ab, vermochte es aber nicht, sich aus der Defensive heraus zu kämpfen, um eigene Treffer zu landen. Es hieß inzwischen 8-6 für Galanov. Dieser boxte den Kampf entspannt zu Ende, schlug Kombinationen und sicherte sich ein verdientes 12-9.
Bantamgewicht
Denis Makarov (Deutschland) sorgte mit seinem Kampf gegen Pedro Quipo (Ecuador) für beste Stimmung. Der erste Deutsche des Abends traf auf einen ausgeruhten Gegner, da Quipo am Tag zuvor kampflos weitergekommen war. Makarov startete gut in den Kampf. Während Quipo erst einmal abwartete, gelang es dem Deutschen, einige Treffer ins Ziel zu bringen. Quipo keilte zwar mit viel Kämpferherz zurück, wirkte insgesamt aber zu limitiert, um eine Gefahr für den Deutschen darzustellen. Besonders Makarovs Rechte hinterließ Spuren. In Runde 3 stemmte sich Quipo noch einmal gegen die drohende Niederlage. Aber Makarov spielte seine Klasse aus und ließ nichts mehr anbrennen. Ein klarer 17-4 Sieg für den Deutschen, der somit beste Chancen auf den Turniersieg hat.
Jetzt war es an der Zeit, Mehmet Topcakan (Türkei) in seinem Kampf gegen Orzubek Shaimov (Usbekistan) zu sehen. Der Usbeke startete schnell und kam mit einem wahren Schlaghagel aus der Ecke, mit dem er Topcakan in die Defensive zwang. Mit schnellen Kombinationen drängte er den Türken immer wieder an die Seile, der sich während dieser harten Serien hinter seiner Doppeldeckung verschanzte und viel zu passiv wirkte. Mit dem 5-4 Vorsprung für Shaimov, der nach Runde 1 bestand, konnte Topcakan noch vom Glück reden. Shaimov dagegen legte im kommenden Durchgang noch einmal zu und schaffte es, den Türken derart zu dominieren, dass der Ringrichter anzählte. Mit einem 11-10 im Rücken, konnte Shaimov den Schlussdurchgang zwar nicht entspannt, aber durchaus locker angehen. Er boxte weiterhin überlegen und schaffte es, am Ende ein 14-12 für sich zu verbuchen. Ein klarer Sieg, der für den kommenden Tag einiges an weiterer Action verspricht!
Weltergewicht
Patrick Wojcicki (Deutschland) bekam es im 5ten Kampf mit Serik Sapiyev (Kasachstan) zu tun. Der Kasache begann stark, aber kontrolliert. In einem abwartenden Kampf entschied er die 1te Runde mit 2-1 für sich. Wojcicki bewies Herz, fand aber gegen den technisch versierten Kasachen kein wirkliches Mittel. Der Kampf nahm in Runde 2 einen sehr taktischen Verlauf, wobei sich keiner der Fighter klar absetzen konnte. Mit einem 6-4 für Sapiyev ging es in die Letzte Runde. Auch dort wirkte der Kasachische Rechtsausleger leicht überlegen. Wojcicki wehrte sich tapfer, blieb aber letztendlich viel zu passiv. Sapiyev legte noch einmal zu und erreichte ein klares 11-6, auf dass er stolz sein kann!
Mit Adam Nolan (Irland) trat nun einer der Turnier-Favoriten gegen Araik Marutjan (Deutschland) an. Letzterer fing auch sofort stark an, indem er Nolan aggressiv beikam und zahlreiche Volltreffer landete. Dabei drängte Marutjan immer wieder in den Infight, was dem Stil des Iren überhaupt nicht zuträglich war. Nolans gute Leistung am Vortag lag nämlich in erster Linie in seinem Distanzgefühl begründet. Dieses wollte sich aber im Kampf gegen Marutjan aber nicht einstellen, da er Deutsche unaufhörlich attackierte und dem Iren keine Zeit ließ, Maß zu nehmen. Die Runden 1 und 2 gingen auf diese Weise klar an den Araik Marutjan. Erst im letzten Durchgang fand Nolan besser ins Gefecht. Er schaltete von Boxen auf Fighten um, warf seine Taktik über Bord und versuchte, keilend zum Erfolg zu kommen. Und es klappte. Auch Marutjan musste nun einstecken. Aber so sehr sich Nolan auch abmühte: Den Rückstand aus den ersten 2 Runden vermochte er nicht aufzuholen. Marutjan siegte mit 21-14. Somit wahrt der Deutsche seine Chance auf den Turniersieg.
Halbschwergewicht
Egor Mekhontcev (Russland) stieg nun gegen Adilbek Nyazyumbetov (Kasachstan) in den Ring. Mekhontcev begann stark, indem er seinen Jab nutzte, um den Kasachen auf Distanz zu halten. Nach er 1ten Runden stand es bereits 6-3 für den Russen. Nyazyumbetov mochte sich mit diesem Stand der Dinge aber nicht zufrieden geben und erhöhte die Schlagfrequenz. Ein 10-8, das vor der letzten Runde zu Buche stand, gab dem Kasachen Anlass zur Hoffnung. Schließlich setzte er im 3ten und letzten Durchgang seine Aufholjagd fort. Aber der Russe hatte nun die Distanz gefunden un konterte seinen aggressiven Widersacher immer wieder ab. Das 17-11 sprach Bände. Ein klarer, überlegener Sieg von Egor Mekhontcev.
Jetzt kam es zum Kampf zwischen Joe Ward (Irland) und Kevin Künzels Bezwinger, dem starken Carlos Gongora (Ecuador). In einem taktischen Kampf mit wenig klaren Treffern war er in Runde 1 der Ire, der sich mit seiner Linken Schlaghand Vorteile erboxte. Der amtierende EM holte sich rasch eine 6-4 Führung, mit der er in die 2te Runde ging. Diese begann Ward furios: Nach Zwei harten Wirkungstreffern musste Gongora angezählt werden. Der Ire war schlicht und einfach spritziger, schneller und mit deutlich mehr Biss ausgestattet, als sein Rivale. Auf diese Weise baute er seinen Vorsprung auf 11-6 aus. Für den Ecuadorianer hieß es nun: Alles oder nichts! Aber die Schläge Gongoras kamen nicht Präzise genug, sodass Ward keine Mühe hatte, seinen Gegner auch weiterhin auszuboxen. Eine harte Linke zum Kopf Gongoras markierte zur Mitte hin den besten Treffer des Kampfes. Letzten Endes war Ward mit einem klaren 15-8 erfolgreich.
Superschwergewicht
Der Kampf zwischen Zhilei Zhang (China) und Erik Pfeifer (Deutschland) wurde von Fans und Experten mit der meisten Spannung erwartet. Der Olympia-Zweite (Zhang) traf auf den WM-Dritten (Pfeifer). Der Chinese begann stark, indem er Pfeifer auf Distanz hielt und seine Größe geschickt nutzte. Immer wieder landete Zhang mit seiner Linken Schlaghand, die aus den verschiedensten Winkeln angeflogen kam. Doch Pfeifer hielt den Kampf eng. In Runde 2 kam er zurück und schaffte es, seine eigene Schlaghand zu etablieren. Allerdings blieb Zhang gefährlich. Die Bewegungsmuster des Chinesen waren sehr unorthodox, was Pfeifer offensichtlich zu schaffen machte. Trotz seiner Masse bewegte sich Zhang nämlich äußerst geschmeidig und wand sich aus Pfeifers Distanz, sobald der Deutsche attackierte. Ein ähnliches Bild ergab sich auch in Runde 3, die Zhang klar für sich entscheiden konnte. Am Ende gewann der Chinese mit 14-9 und zieht somit ins Finale ein. In seiner Klasse sollte Zhilei Zhang der klare Favorit sein.
Mit Mihai Nistor (Rumänien) bekamen die Zuschauer im letzten Kampf einen Mann zu sehen, der sich während des Vortages durch seinen aggressiven Stil großer Beliebtheit erfreut hatte. Er bekam es mit Sergey Kuzmin (Russland) zu tun. Der Rumäne legte stark los, landete Körper-Kopf Kombinationen und zwang seinen massiv gebauten Gegner in den Rückwärtsgang. Kuzmin erwies sich jedoch als harter Kämpfer, der in Runde 2 besser zur Geltung kam. Er nahm alles, was sein Kontrahent an Schlägen anbot, und keilte zurück. Ein wilder Brawl entstand, in dem Beide Fighter ihre Treffer landeten. Kuzmin traf nun ebenfalls viel. Die 3te und letzte Runde sollte schließlich die Entscheidung mit sich bringen. Nistor startete gut und landete einen brutalen Körpertreffer, der seinen russischen Kontrahenten deutliche Schmerzen zufügte. Kuzmin musste sich daraufhin anzählen lassen. Nistor setzte nach und landete mehrere Häne, die Kuzmin durchschüttelten. Das 18-11, welches am Ende für den Russen verkündet wurde, war dementsprechend schmeichelhaft. Nichts desto trotz steht Sergey Kuzmin nun im Finale, wo er auf Zhilei Zhang trifft.


































