„Ich bin eine Boxerin. Das ist alles, was ich je sein wollte.“
— Katie Taylor
Katie Taylor (* 2. Juli 1986 in Bray, County Wicklow, Irland) ist undisputierte Weltmeisterin in zwei Gewichtsklassen, Olympiasiegerin und die einzige Frauenboxerin, die den Madison Square Garden dreimal füllte. Ihr Vater Pete, irischer Leichtschwergewichtsmeister und Elektriker aus Birmingham, baute in einem alten Bootshaus am Stadtrand von Bray einen Boxclub auf. Katie war zwölf, als sie dort anfing. 27 Jahre später hat sie den Frauenboxsport mehr verändert als jede Boxerin vor ihr.
Fünf WM-Titel, eine Olympia-Goldmedaille: und dann das Flugzeugfenster in Dublin
Bevor Taylor Profi wurde, hatte sie im Amateurboxen alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt: fünf Weltmeistertitel in Folge (2006″“2014), sechs Europameistertitel, und die Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2012 in London, Leichtgewicht, Finale gegen die Russin Sofya Ochigava, Endstand 10:8. Taylor trug die irische Fahne bei der Eröffnungsfeier.
Als ihr Flugzeug danach in Dublin landete, lehnte sie sich aus dem Fenster und schwenkte die Tricolore. In Irland, einem Land, in dem Boxen Volkssport ist, wurde dieses Bild ikonisch. Für Taylor war es der Moment, in dem sie wusste: Amateurboxen war vorbei.
Vier Gürtel im Leichtgewicht: und ein dritter WM-Titel in einer neuen Klasse
2016 wechselte Taylor ins Profilager. Innerhalb von drei Jahren holte sie WBA-, IBF-, WBC- und WBO-Titel im Leichtgewicht, gleichzeitig, als undisputierte Weltmeisterin. Damit gehört sie zu einer sehr kleinen Gruppe von Boxern weltweit, die alle vier großen Gürtel einer Gewichtsklasse gleichzeitig hielten.
Im November 2019 stieg sie ins Super-Leichtgewicht (140 lbs) auf und besiegte WBO-Weltmeisterin Christina Linardatou einstimmig nach Punkten, als erst dritte irische Boxerin nach Steve Collins und Carl Frampton wurde sie Weltmeisterin in zwei Gewichtsklassen.
Persoon und Serrano: die Kämpfe, die Taylor definierten
Taylors Kampfstil ist leichter zu beschreiben als zu imitieren: Winkelwechsel, Distanzkontrolle durch den Jab, seltener frontaler Angriff. Was das in der Praxis bedeutet, zeigte sich im Kampf gegen Delfine Persoon (2019): Die Belgierin kam mit roher Vorwärtsbewegung und höherem Schlagvolumen, Taylor wich zurück, ließ Persoon ins Leere laufen und konterte an den Seiten.
Der Kampf gegen Amanda Serrano am 30. April 2022 im Madison Square Garden war der erste Frauen-Boxkampf als Main Event in der 140-jährigen Geschichte der Arena. In Runde 5 wurde Taylor ernsthaft erschüttert, Serrano, bekannt für ihre KO-Power in sieben Gewichtsklassen, hatte sie fast am Boden. Taylor überstand die Runde durch Clincharbeit und den Willen, die Ringmitte zurückzuholen. Sie gewann per geteilter Punktentscheidung. Sports Illustrated kürte es zum Kampf des Jahres.
Das Rematch am 15. November 2024 fand auf der Tyson-Paul-Netflix-Karte statt, 47 Millionen Zuschauer in den USA, die meistgesehene Frauen-Sportveranstaltung der US-Geschichte. Der dritte Kampf am 11. Juli 2025 im Madison Square Garden ging per Mehrheitsentscheidung (97-93, 97-93, 95-95) an Taylor. Sie gewann alle drei.
Cameron in Dublin: Niederlage und Comeback in sechs Monaten
Im Mai 2023 verlor Taylor erstmals als Profi, zu Hause in Dublin, gegen die Britin Chantelle Cameron per einstimmiger Punktentscheidung. Taylor forderte sofort den Rückkampf. Im November desselben Jahres, nach einem Knockdown in Runde 1, gewann sie per Punktentscheidung zurück und wurde undisputierte Weltmeisterin im Super-Leichtgewicht, die erste irische Frau und zweite Boxerin überhaupt mit undisputierten Titeln in zwei Gewichtsklassen.
Taylors Stil: warum Technikboxerinnen nicht spektakulär sein müssen
Taylor schlägt nicht besonders hart, 6 KOs in 25 Siegen sprechen eine klare Sprache. Was sie tut: Sie trifft öfter, sauberer und aus besseren Winkeln als ihre Gegnerinnen. Ihr Jab ist kein Einzelschlag, sondern ein Taktinstrument, er setzt den Rhythmus, bricht den der Gegnerin und öffnet den Weg für die rechte Hand.
Mit 165 cm und 168 cm Reichweite hat Taylor keinen physischen Vorteil. Was sie hat: Fußarbeit aus der Amateurtradition, die Fähigkeit, nach einer Erschütterung sofort den taktischen Plan wieder aufzunehmen (siehe Serrano R5, Cameron R1), und eine Cardio-Basis, die über 10 Runden hinweg nicht nachlässt. Rekord: 25-1 (6 KO).
Häufig gestellte Fragen
Wie lautet Katie Taylors Kampfrekord?
25-1 (6 KO). Einzige Niederlage gegen Chantelle Cameron (Mai 2023), die sie sechs Monate später im Rückkampf revidierte. Undisputierte Weltmeisterin in zwei Gewichtsklassen.
Wie groß und schwer ist Katie Taylor?
165 cm Körpergröße, 168 cm Reichweite, rund 63 kg Kampfgewicht. Keine physischen Vorteile, ihre Dominanz basiert vollständig auf Technik, Fußarbeit und taktischer Disziplin.
Wie oft hat Taylor gegen Amanda Serrano gekämpft?
Dreimal: 2022 (Split Decision, MSG), 2024 (Netflix-Card, 47 Mio. US-Zuschauer) und 2025 (Mehrheitsentscheidung, MSG). Taylor gewann alle drei. Die Rivalität gilt als die größte im Frauenboxen.
In welchen Gewichtsklassen war Taylor undisputierte Weltmeisterin?
Leichtgewicht (2019″“2023, WBA + IBF + WBC + WBO) und Super-Leichtgewicht (seit November 2023). Im Frauenboxen ist sie die einzige Zwei-Klassen-Undisputed-Championin.
Warum ist die Serrano-Rivalität historisch bedeutsam?
Der erste Kampf 2022 war das erste Frauen-Main-Event in der 140-jährigen Geschichte des Madison Square Garden. Das Rematch 2024 zog 47 Millionen US-Zuschauer auf Netflix, die meistgesehene Frauen-Sportveranstaltung der US-Geschichte. Beide Tatsachen wären ohne Taylor und Serrano nicht denkbar.