Schwergewicht

Muhammad Ali

USA

Muhammad Ali
Geburtsdatum 17.01.1942
Nationalität USA
Gewichtsklasse Schwergewicht
Kampfrekord 56-5-0
KO-Quote 61%
Kampfhaltung Orthodox
Titel 3× Schwergewichtsweltmeister (WBA/WBC)

„Warum soll ich eine Uniform anziehen und zehntausend Meilen von zu Hause entfernt gehen, um Bomben auf braune Menschen in Vietnam zu werfen, während Menschen in Louisville wie Hunde behandelt werden?“

— Muhammad Ali, 1967

Muhammad Ali (17. Januar 1942 „“ 3. Juni 2016), geboren als Cassius Marcellus Clay Jr. in Louisville, Kentucky, gewann die Olympia-Goldmedaille mit 18, den Schwergewichtstitel mit 22, und verlor dreieinhalb Jahre seiner Karriere, weil er den Vietnamkrieg verweigerte. 56-5 (37 KO), dreifacher Weltmeister, und der einzige Boxer, der seinen größten Sieg außerhalb des Rings errang: Als der Supreme Court 1971 seine Verurteilung einstimmig aufhob, hatte Ali bereits gewonnen, bevor er überhaupt zurückkam.

Louisville, Rom, und ein gestohlenes Fahrrad

Die Legende beginnt 1954: Dem zwölfjährigen Cassius Clay wird sein Fahrrad gestohlen. Er findet den Polizisten Joe Martin, der zufällig eine Boxhalle betreibt, und sagt: „Ich werde den Typen verprügeln.“ Martin antwortet: „Dann lern erstmal boxen.“ Sechs Jahre später, bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom, gewann Clay die Goldmedaille im Halbschwergewicht. Er war 18, schneller als jeder andere Schwergewichtler seiner Generation und redete mehr als alle zusammen.

Mit 191 cm Körpergröße und einer Reichweite von 198 cm hatte Clay die Maße eines Schwergewichtlers, aber die Fußarbeit eines Mittelgewichtlers. Er tanzte. Er traf. Er ging nicht zu Boden. In 19 Profikämpfen nach der Olympiade gewann er alle, und sprach vor jedem einzelnen laut aus, in welcher Runde er gewinnen würde.

Liston 1964: der Abend, an dem Cassius Clay verschwand

Am 25. Februar 1964 trat der 22-jährige Clay als 8:1-Außenseiter gegen Sonny Liston an, den Champion, vor dem selbst andere Schwergewichtler Angst hatten. Clay boxte sechs Runden lang präzise von außen, bewegte sich so schnell, dass Liston nur Luft traf. Vor Runde 7 blieb Liston auf dem Hocker sitzen. Schulterverletzung, sagte sein Trainer. Clay schrie ins Publikum: „I am the Greatest! I shook up the world!“

Einen Tag später trat er der Nation of Islam bei und wurde Muhammad Ali. Den alten Namen nannte er einen „Sklavennamen“. Sportjournalisten weigerten sich jahrelang, den neuen Namen zu benutzen. Ali bestand darauf.

Vietnam: dreieinhalb Jahre für ein Nein

Am 28. April 1967 verweigerte Ali die Einberufung zum Militärdienst. Noch am selben Tag entzog ihm die New York State Athletic Commission die Boxlizenz. Innerhalb einer Woche folgten alle anderen Bundesstaaten. Am 20. Juni 1967 verurteilte ihn ein Gericht in Houston zu fünf Jahren Haft und 10.000 Dollar Geldstrafe. Er blieb gegen Kaution frei, aber er durfte nicht boxen.

Dreieinhalb Jahre lang, von 25 bis 28, in der physischen Blüte seiner Karriere, stand Ali nicht im Ring. Er hielt Vorträge an Universitäten. Er verlor Geld. Er verlor Sponsoren. Was er nicht verlor, war die Überzeugung. Am 28. Juni 1971 hob der Supreme Court die Verurteilung einstimmig auf, 8:0, Clay v. United States. Ali hatte recht behalten.

Frazier, Madison Square Garden, Runde 15: der linke Haken, der Ali auf den Rücken legte

Am 8. März 1971, drei Monate vor dem Supreme-Court-Urteil, traf Ali auf Joe Frazier im „Fight of the Century“, zwei ungeschlagene Schwergewichtler, beide mit Titelanspruch. Frazier gewann nach 15 Runden durch einstimmige Entscheidung. In Runde 15 landete er einen linken Haken, der Ali auf den Rücken warf, Alis Kiefer schwoll auf die doppelte Größe an. Es war Alis erste Niederlage.

Zwei Rückschläge folgten: Ken Norton brach ihm 1973 den Kiefer und gewann nach Punkten. Im Rematch sechs Monate später schlug Ali Norton knapp. Gegen Frazier gewann er das zweite Duell 1974 ebenfalls nach Punkten. Aber der Titel war noch bei George Foreman.

Kinshasa, Runde 8: Rope-a-Dope und der Moment, der den Sport veränderte

Am 30. Oktober 1974, um vier Uhr morgens Ortszeit in Kinshasa, Zaire, trat Ali gegen George Foreman an, den Mann, der Frazier zweimal in drei Runden vernichtet hatte. Foreman war 25, ungeschlagen, mit 40 KOs in 40 Siegen. Niemand gab Ali eine Chance.

Ali tat etwas, das niemand erwartete: Er lehnte sich in die Seile. Ab Runde 2 ließ er Foreman auf seine Arme und seinen Körper schlagen, nicht den Kopf, nie den Kopf, und wartete. Die Seile absorbierten die Wucht. Foreman schlug sich müde. „Rope-a-Dope“ nannte Ali die Taktik danach. In Runde 8, als Foreman kaum noch die Arme heben konnte, landete Ali eine Fünf-Schlag-Kombination, zwei rechte Haken, ein linker Haken, ein rechter Cross und eine rechte Gerade. Foreman ging zu Boden. Er stand nicht auf. Ali war wieder Weltmeister. Er war 32.

Manila 1975: „Das Nächste am Tod, was ich je erlebt habe“

Das dritte Duell gegen Frazier am 1. Oktober 1975 im Araneta Coliseum in Quezon City war der brutalste Schwergewichtskampf der Nachkriegszeit. Vierzehn Runden lang schlugen beide Männer aufeinander ein, ohne Rücksicht auf den eigenen Körper. Fraziers linkes Auge schwoll nach Runde 12 vollständig zu. Ali führte auf allen drei Karten.

Vor Runde 15 nahm Fraziers Trainer Eddie Futch ihm den Mundschutz ab und sagte: „Sit down, son. It’s all over. Nobody will ever forget what you did here today.“ Ali fiel nach dem Kampf beinahe um. Später sagte er: „Das war das Nächste am Tod, was ich je erlebt habe.“

Alis Stil: der Schwergewichtler, der tanzte

Ali war ein Stilbruch. Schwergewichtler seiner Ära standen breitbeinig, schlugen hart und bewegten sich wenig. Ali bewegte sich ständig, auf den Zehenspitzen, seitlich, rückwärts, in Kreisen. Sein Jab war weniger ein Schlag als ein Instrument zur Distanzkontrolle: schnell, wiederholbar, präzise genug, um Augenbrauen aufzuschneiden.

Die berühmte Formel „Float like a butterfly, sting like a bee“ war keine Metapher. Sie war eine technische Beschreibung: leichter Stand (Ali wog rund 97 kg, aber bewegte sich wie ein Mann von 75), schnelle Jab-Sequenzen, Konterrechte nach Ausweichbewegungen. Was Ali nicht tat: Nahkampf suchen. Was er tat, wenn er es musste, Rope-a-Dope in Kinshasa, Infight in Manila, war improvisiert und kostete ihn jedes Mal körperlich.

Häufig gestellte Fragen

Wie lautet Muhammad Alis Kampfrekord?

56-5 (37 KO). Fünf Niederlagen gegen Joe Frazier (1971), Ken Norton (1973), Leon Spinks (1978), Larry Holmes (1980) und Trevor Berbick (1981). Dreifacher Schwergewichtsweltmeister.

Wie groß und schwer war Muhammad Ali?

191 cm Körpergröße, 198 cm Reichweite, für seine Ära überdurchschnittlich lang. Kampfgewicht zwischen 93 und 100 kg, je nach Phase der Karriere. Seine Reichweite war einer der Gründe, warum sein Jab so effektiv war: Er traf aus Distanzen, in denen andere Schwergewichtler noch nicht einmal beginnen konnten zu schlagen.

Was bedeutete Alis Vietnam-Verweigerung für seine Karriere?

Er verlor dreieinhalb Jahre (1967″“1970) in seiner physischen Blüte: keine Kämpfe, keine Lizenz, keine Einnahmen. Der Supreme Court hob seine Verurteilung 1971 einstimmig auf. Die verlorenen Jahre erklären, warum Ali in den 1970ern defensiver boxte als in den 1960ern, der Körper war nicht mehr derselbe.

Was war die Rope-a-Dope-Taktik?

Gegen George Foreman in Kinshasa 1974 lehnte sich Ali in die Seile, ließ Foreman auf seine Arme schlagen und wartete acht Runden, bis Foreman sich müde geschlagen hatte. Dann konterte er mit einer Fünf-Schlag-Kombination und gewann durch KO. Die Taktik war kein Plan, den Ali vorher trainiert hatte, sie entstand spontan im Kampf.

Woran starb Muhammad Ali?

Ali wurde 1984 mit Parkinson diagnostiziert, drei Jahre nach seinem letzten Kampf. Er lebte 32 Jahre mit der Krankheit. 1996 entzündete er, an Parkinson erkrankt, mit zitternden Händen, die olympische Fackel in Atlanta. Am 3. Juni 2016 starb er im Alter von 74 Jahren in Scottsdale, Arizona, an septischem Schock.