„Ich trage das kurdische Volk in meinem Herzen. Ich kämpfe für meine Wurzeln – für alle Kurden weltweit.“
— Agit Kabayel
Agit Kabayel (* 23. September 1992 in Leverkusen) ist der profilierteste aktive deutsche Schwergewichtsboxer, ungeschlagen, WBC-Interimchampion, und der erste Deutsche seit Max Schmeling mit einem realistischen Weg zum Weltmeistertitel im Schwergewicht.
Vom Fußball zu Rocky: Wie ein Gleisbauer zum Boxer wurde
Kabayel wuchs in Bochum auf, Kind kurdischer Eltern aus Pazarcık in der Türkei. Die Familie hatte wenig. Fußball war der erste Traum, Ronaldo das Vorbild, bis er mit 14 einsah, dass er dort nicht Profi werden würde. Dann sah er Rocky III und Rocky IV, und etwas änderte sich. Er jobbte als Gleisbauer, als Türsteher. Mit 17 betrat er das BSC Steele Gym in Bochum, und blieb.
Kurdisch und Deutsch: zwei Fahnen, eine Identität
Nach jedem großen Sieg widmet Kabayel den Triumph dem kurdischen Volk. Er kämpft unter deutschem Banner, trägt aber seine Herkunft offen. Als er nach seinem Zhang-Sieg gefragt wurde, für welches Land er kämpfe, antwortete er: „Ich bin in Deutschland geboren, hier aufgewachsen, aber ich bin Kurde.“ Nach dem Knyba-Kampf hielt er die WBC-Gürtel in die Kamera und rief: „Das ist die Kraft der Kurden.“
Er macht keinen Unterschied zwischen Kurden aus der Türkei, dem Irak, Syrien oder dem Iran: „Sagt nicht, ihr seid Kurden aus irgendeinem Land. Sagt, ihr seid Kurden.“ Als er den WBC-Gürtel Präsident Barzani überreichte, sagte er: „Du kämpfst für Kurdistan außerhalb des Rings, ich kämpfe drinnen.“ Gemeinsam mit Fußball-Nationalspieler Deniz Undav wird er als einer der prominentesten kurdischstämmigen Sportler Deutschlands gesehen.
Profistart: Vom Ruhrpott in den Ring
Kabayel wurde 2011 Profi, mit 18 Jahren, ohne Amateurkarriere. Gleisbauer, Türsteher, dann Boxen. 2017 gewann er den vakanten Europameistertitel gegen Hervé Hubeaux in Köln, und verteidigte ihn kurz darauf gegen Derek Chisora in Monte Carlo, den er auf den Scorecards ausboxte: 115–113, 115–114, 114–114. 2023 holte er den Titel ein zweites Mal, TKO Runde 3 gegen Agron Smakici.
Der Weg zum WBC-Interimtitel
Am 18. Mai 2024 bezwang Kabayel Frank Sánchez durch TKO in Runde 7, auf der Untercard des Fury-Usyk-Kampfes in Riad. Sechs Runden lang baute er Druck auf, dann entschied ein Körperhaken alles. Sánchez, zuvor ungeschlagen, ging zweimal durch Körpertreffer zu Boden.
Am 22. Februar 2025 bestieg er erneut den Ring in Riad, diesmal gegen Zhilei Zhang, WBC-Nummer-1 im Schwergewicht. In Runde 5 schlug Zhang ihn nieder. Kabayel stand auf, überstand die Runde und knockte Zhang in Runde 6 mit einem Leberhaken aus. Er gewann den WBC-Interimtitel.
Am 10. Januar 2026 verteidigte er den Titel durch TKO in Runde 3 gegen Damian Knyba. Rekord: 27-0 (19 KO).
Kampfstil: Körper, Geduld, Moment
Kabayel boxt orthodox, arbeitet über den Jab und legt seine Kämpfe auf Körperarbeit an. Er drückt Gegner an die Seile, akkumuliert Treffer an die Rippen, bis die Arme sinken und der Leberhaken trifft. 214 Körpertreffer im Schnitt pro Kampf, 49 Prozent Trefferquote auf Powerpunches. Trainer Sükrü Aksu fasst es schlicht zusammen: „Agit weiß, wo die Leber sitzt.“
Was kommt als Nächstes?
Als WBC-Interimchampion ist Kabayel Pflichtherausforderer für den WBC-Titel. Usyk hält diesen Gürtel, ein Sieg Kabayels wäre der erste deutsche Schwergewichtstitel seit Max Schmeling 1932. Kabayel selbst sagt: „Usyk wird nicht gegen mich kämpfen wollen.“
„Usyk wird nicht gegen mich kämpfen wollen.“Agit Kabayel
Häufig gestellte Fragen
Wo wurde Agit Kabayel geboren?
Am 23. September 1992 in Leverkusen. Aufgewachsen in Bochum.
Wie lautet sein Rekord?
27-0 (19 KO), Stand Januar 2026.
Welchen Titel hält Kabayel?
WBC-Interimchampion im Schwergewicht seit Februar 2025.
Welcher Herkunft ist Kabayel?
Deutsch-kurdisch. In Leverkusen geboren, in Bochum aufgewachsen, Eltern aus Pazarcık in der Türkei.
Wie groß und schwer ist Agit Kabayel?
191 cm groß, rund 109 kg Kampfgewicht. Spannweite: 203 cm.
Kämpft Kabayel gegen Usyk?
Als WBC-Interimchampion ist Kabayel Pflichtherausforderer. Ein Termin steht noch nicht fest.