Frauenboxen ist als Profisport noch jung. 1722 in London geboxt, im 20. Jahrhundert in den meisten Ländern lange verboten, erst 2012 olympisch anerkannt. Die Geschichte erklärt, wie es dazu kam. Die Porträts zeigen, wer den Sport heute prägt.
Drei Generationen, drei Durchbrüche
Die deutsche Linie begann mit Regina Halmich: 1995 erste deutsche Profi-Weltmeisterin (WIBF Fliegengewicht), zwölf Jahre ungeschlagen, 54-1-1. Ihre Showkämpfe gegen Stefan Raab brachten Millionen Zuschauer ans Frauenboxen. Susianna Kentikian übernahm 2007 ihren WIBF-Gürtel und wurde später WBA-Weltmeisterin. Die dritte Stufe zündete Christina Hammer: mit 20 Jahren WBO-Mittelgewicht-Weltmeisterin, neun Jahre ungeschlagen bis zum Hammer-vs.-Shields-Vereinigungskampf 2019.
International dominieren drei Namen: Claressa Shields hält undisputierte Titel in drei Gewichtsklassen, ein Rekord, den kein Boxer beider Geschlechter erreicht hat. Die Irin Katie Taylor machte mit ihrem London-2012-Olympiagold und der Rivalität gegen Amanda Serrano das Frauenboxen massentauglich. Serrano selbst hält Weltmeistertitel in einer Rekordzahl von Gewichtsklassen.
Frauenboxen heute
Der wirtschaftliche Durchbruch kam später als die sportliche Anerkennung. Am 30. April 2022 trafen Katie Taylor und Amanda Serrano im New Yorker Madison Square Garden aufeinander, der erste Frauenkampf, der dort als Hauptkampf des Abends angesetzt war. Der Rückkampf im November 2024 lief als Co-Hauptkampf des Duells Mike Tyson gegen Jake Paul und erreichte über einen Streamingdienst ein weltweites Millionenpublikum. Beide Abende gelten als Wendepunkte für die Sichtbarkeit des Sports.
Sportlich bleibt eine Eigenheit bestehen: Profikämpfe der Frauen gehen über Runden zu zwei Minuten, während Männer drei Minuten boxen. Befürworter längerer Runden argumentieren mit Gleichbehandlung und mehr Raum für Entscheidungen vor der Distanz, Kritiker verweisen auf fehlende Langzeitdaten zur Belastung. Mehrere große Verbände prüfen eine Angleichung, eine einheitliche Regel gibt es bislang nicht. Parallel ist das olympische Starterfeld gewachsen: von drei Gewichtsklassen 2012 in London auf sechs 2024 in Paris. Die Porträts der bekanntesten Boxerinnen ordnen die sportlichen Leistungen dieser Entwicklung ein.
Strukturell läuft das Profi-Frauenboxen über dieselben vier Verbände wie bei den Männern: WBC, WBA, IBF und WBO vergeben jeweils eigene Weltmeistertitel pro Gewichtsklasse. Verändert hat sich vor allem die Plattform. Wo Frauenkämpfe lange auf Vorprogramme und Lokalfernsehen beschränkt waren, stehen sie heute regelmäßig auf den Hauptkarten großer Veranstalter und werden von internationalen Sendern und Streamingdiensten übertragen. Diese Sichtbarkeit zieht Nachwuchs an: In Deutschland führt der Weg meist über den olympischen Amateurbereich, ehe Boxerinnen ins Profilager wechseln. Die Geschichte des Frauenboxens ordnet diese Entwicklung historisch ein.
Berühmte Boxerinnen — Die größten Kämpferinnen national und international
Geschichte des Frauenboxens — Von 1722 bis Paris 2024
Häufig gestellte Fragen
Wer ist die erfolgreichste deutsche Boxerin?
Regina Halmich aus Karlsruhe. Von 1995 bis 2007 zwölf Jahre lang ungeschlagene WIBF-Weltmeisterin im Fliegengewicht, mit einer Bilanz von 54 Siegen, 1 Niederlage und 1 Unentschieden. Bekannt wurde sie über die Boxszene hinaus durch ihre TV-Showkämpfe gegen Stefan Raab.
Wer war die erste deutsche Box-Weltmeisterin?
Regina Halmich, am 10. Juni 1995. Sie gewann den vakanten WIBF-Titel im Fliegengewicht in Karlsruhe.
Wer ist die beste Boxerin der Welt?
Diskutiert. Die meistgenannten Namen: Claressa Shields (undisputierte Titel in drei Gewichtsklassen, zweifaches Olympiagold), Katie Taylor (Olympia-Gold 2012, undisputierte Titel in zwei Klassen) und Amanda Serrano (Weltmeistertitel in sieben Gewichtsklassen, Rekordhalterin).
Seit wann ist Frauenboxen olympisch?
Seit den Sommerspielen 2012 in London. Damals wurde in drei Gewichtsklassen geboxt; ab Rio 2016 waren es fünf, bei Tokio 2020 ebenfalls fünf, und in Paris 2024 schließlich sechs.
Worin unterscheiden sich die Regeln vom Männerboxen?
Im Wesentlichen gelten dieselben Regeln. Die Unterschiede: kürzere Runden im Profibereich (zwei Minuten statt drei Minuten), ein vorgeschriebener Brustschutz und ein optionaler Tiefschutz. Bei den Amateuren werden im Frauenboxen oft Kopfschutz und kürzere Distanzen verwendet, was sich seit der olympischen Anerkennung 2012 angeglichen hat.
Wer ist die aktuelle Schwergewichts-Weltmeisterin?
Claressa Shields, seit Februar 2025 undisputierte Schwergewichts-Weltmeisterin der Frauen und damit die erste Boxerin überhaupt, die undisputierte Titel in drei Gewichtsklassen hielt (Mittelgewicht, Halbmittelgewicht, Schwergewicht).