Schwergewicht

Wladimir Klitschko

Ukraine

Wladimir Klitschko
Geburtsdatum 25. März 1976
Nationalität Ukraine
Gewichtsklasse Schwergewicht
Kampfrekord 64-5-0
KO-Quote 77%
Kampfhaltung Orthodox
Reichweite 203 cm
Titel WBA, IBF, WBO, IBO (ehemalig)

„Mentale Stärke ist entscheidend, denn du gewinnst oder verlierst zuerst in deinem Kopf.“

— Wladimir Klitschko

Wladimir Klitschko (* 25. März 1976 in Semipalatinsk, Kasachische SSR) verteidigte den Schwergewichtstitel 18-mal in Folge, mehr als jeder Boxer seit Joe Louis. Der promovierte Sportwissenschaftler aus der Ukraine verwandelte Niederlagen, die andere Karrieren beendet hätten, in ein System, das neun Jahre lang niemand knackte. Bis Tyson Fury kam und einfach tanzte.

Semipalatinsk, Tschernobyl und ein Vater, der die Strahlung nicht überlebte

Klitschko wurde in Semipalatinsk geboren, der Stadt neben dem sowjetischen Atomwaffen-Testgelände, auf dem zwischen 1949 und 1989 über 450 Kernwaffen gezündet wurden. Sein Vater Wladimir Rodionowitsch, Oberst der sowjetischen Luftwaffe, wurde Mitte der 1980er nach Prypjat in der Ukraine versetzt. Die Familie lebte dort, als am 26. April 1986 der Reaktor von Tschernobyl explodierte. Der Vater organisierte die Aufräumarbeiten. Die Strahlenbelastung kostete ihn am 13. Juli 2011 das Leben, Lymphknotenkrebs, 64 Jahre alt.

Wladimir war bei der Tschernobyl-Katastrophe zehn. Er und sein Bruder Vitali wuchsen danach in Kiew auf, trainierten im selben Boxclub und wurden beide Schwergewichtsweltmeister, ein Novum in der Boxgeschichte.

Olympiagold 1996: und drei Niederlagen, die alles veränderten

Bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta gewann Klitschko die Goldmedaille im Superschwergewicht. Als Profi startete er stark, aber zwischen 1998 und 2004 offenbarten drei Niederlagen eine fundamentale Schwäche.

Gegen Ross Puritty (Dezember 1998) ging Klitschko in Runde 11 durch KO zu Boden, er war vorn auf den Karten, wurde aber von einem einzigen Schlag gestoppt. Gegen Corrie Sanders (März 2003) war es noch drastischer: Sanders, ein südafrikanischer Linkshänder, knockte ihn 33 Sekunden nach dem ersten Gong nieder und beendete den Kampf nach 2:37 Minuten in Runde 2. Gegen Lamon Brewster (April 2004) dominierte Klitschko fünf Runden lang, und wurde dann in Runde 5 von einem rechten Haken getroffen und ausgeknockt.

Das Muster war unübersehbar: Klitschko war technisch überlegen, aber wenn ein harter Schlag durchkam, brach etwas zusammen. Die Boxwelt nannte es „glass chin“, ein Kinn aus Glas. Die Diagnose war unfair, aber der Effekt real.

Emanuel Steward: der Trainer, der Klitschko das Boxen noch einmal beibrachte

Nach der Brewster-Niederlage 2004 wechselte Klitschko zu Emanuel Steward, dem Mann, der zuvor Lennox Lewis zum unbestrittenen Schwergewichtschampion gemacht hatte. Steward veränderte nicht Klitschkos Schlagkraft. Er veränderte seine Philosophie.

Vor Steward war Klitschko ein aggressiver Schlagboxer, der auf KO spielte und sich dabei angreifbar machte. Steward machte ihn zum Distanzboxer: langer Jab als Hauptwaffe, rechter Cross nur bei sicherer Öffnung, permanente Kontrolle der Ringmitte durch Fußarbeit und Clinch. Der Stil war nicht spektakulär, Fans und Medien nannten ihn „langweilig“, aber er war nahezu fehlerfrei. Klitschko selbst sagte später: „Ich habe Boxen erst geliebt, als ich Emanuel traf.“

4.382 Tage: die längste Regentschaft im modernen Schwergewicht

Zwischen April 2006 und November 2015 hielt Klitschko IBF-, WBO- und WBA-Gürtel gleichzeitig, 4.382 Tage als amtierender Champion. 18 Titelverteidigungen in Folge. Nur Joe Louis (27) hatte mehr im Schwergewicht.

Die Herausforderer kamen aus allen Richtungen: David Haye, der Brite, der vor dem Kampf T-Shirts mit geköpften Klitschko-Brüdern drucken ließ, verlor einstimmig. Alexander Povetkin, der russische Olympiasieger, verlor einstimmig. Tony Thompson, verlor zweimal. Jean-Marc Mormeck, KO Runde 4. Die Methode war immer dieselbe: Jab, Clinch, Distanz kontrollieren, warten, bis der Gegner Fehler macht. Bei 198 cm Körpergröße und 206 cm Reichweite konnte Klitschko von einer Distanz treffen, die für seine Gegner unerreichbar war.

Fury in Düsseldorf: als Chaos das System schlug

Am 28. November 2015 trat Tyson Fury in der Esprit Arena in Düsseldorf an, lang, unorthodox, redend. Fury tat das eine, was in neun Jahren niemand versucht hatte: Er spiegelte Klitschkos Stil. Er jabte zurück, wechselte die Auslage, wich Klitschkos rechtem Cross aus und zwang ihn in einen Rhythmus, den Klitschko nicht kontrollieren konnte. Die Richter werteten 115-112, 115-112, 116-111, alle für Fury.

Es war Klitschkos erste Niederlage seit elf Jahren. Er verlor alle Gürtel in einer Nacht.

Wembley, 90.000 Zuschauer und ein letzter Kampf, der alles hatte

Am 29. April 2017 trat Klitschko in Wembley gegen Anthony Joshua an, 90.000 Zuschauer, der größte Boxabend in der britischen Sportgeschichte. Joshua knockte Klitschko in Runde 5 nieder. Klitschko antwortete in Runde 6 und schickte Joshua zu Boden. In Runde 11 ging Klitschko zweimal nieder, der Ringrichter brach ab. TKO, Joshua.

Klitschko war 41. Er sagte danach: „Der Bessere hat heute gewonnen.“ Es war sein letzter Kampf, und sein bester seit Jahren. Rekord: 64-5 (53 KO).

Häufig gestellte Fragen

Wie lautet Wladimir Klitschkos Kampfrekord?

64-5 (53 KO). KO-Quote: 77 %. Fünf Niederlagen: Puritty (1998), Sanders (2003), Brewster (2004), Fury (2015), Joshua (2017). Vier davon durch Abbruch, nur Fury schlug ihn nach Punkten.

Wie groß und schwer ist Wladimir Klitschko?

198 cm Körpergröße, 206 cm Reichweite, rund 109 kg Kampfgewicht. Seine Reichweite war einer der Hauptgründe, warum sein Jab-System neun Jahre lang funktionierte: Gegner mussten durch eine Zone laufen, in der sie getroffen werden konnten, ohne selbst treffen zu können.

Was machte Emanuel Steward mit Klitschkos Stil?

Steward verwandelte Klitschko 2004 vom aggressiven KO-Schläger zum kontrollierten Distanzboxer: Jab als Hauptwaffe, rechter Cross nur bei sicherer Öffnung, Clinch zur Rhythmusbrechung. Derselbe Ansatz, mit dem Steward zuvor Lennox Lewis zum Champion geformt hatte.

Was macht Klitschko nach dem Boxen?

Er promovierte in Sportwissenschaft an der Universität Kiew und gründete die Klitschko Foundation für Bildungsprojekte in der Ukraine. Nach dem russischen Angriff im Februar 2022 wurde er, gemeinsam mit seinem Bruder Vitali, dem Bürgermeister von Kiew, zu einer der prominentesten ukrainischen Stimmen weltweit.

Wie lange war Klitschko amtierender Weltmeister?

4.382 Tage, von April 2006 bis November 2015. Die längste zusammenhängende Regentschaft im modernen Schwergewicht. Nur Joe Louis hielt den Titel länger (1937″“1949, knapp 12 Jahre).