Geschichte des Frauenboxens — Von 1722 bis Paris 2024

Geschichte des Frauenboxens — Von 1722 bis Paris 2024

Schon 1722 trat in London eine Frau namens Elizabeth Wilkinson zum Faustkampf an, dokumentiert, mit Namen, fast dreihundert Jahre vor der ersten olympischen Medaille. Frauen boxten immer. Bemerkenswert ist erst, wie lange es dauerte, bis der Sport sie anerkannte, und welche Kämpferinnen ihn schließlich aus der Schmuddelecke holten.

Zeitleiste: Frauenboxen 1722 bis Paris 2024

JahrEreignisBedeutung
1722Elizabeth Wilkinson kämpft in LondonErster dokumentierter Frauenkampf der Boxgeschichte
1904Demonstrationswettbewerb bei Olympia St. LouisEinmaliger Auftritt, keine offizielle Disziplin
1954USA-Verband BBoC verbietet FrauenboxenVerbot bleibt bis 1993 in Kraft
1976Cathy „Cat“ Davis erkämpft erste US-LizenzLizenz-Durchbruch in New York
1995Regina Halmich gewinnt ersten WIBF-TitelErste deutsche Profi-Boxweltmeisterin
1996Martin vs. Gogarty im US-FernsehenSports-Illustrated-Cover, Massenpublikum
1998Jane Couch erstreitet UK-Lizenz vor GerichtDiskriminierungsurteil öffnet Britisches Boxen
2001Erste Amateur-WM in Scranton, USAInternationale Strukturen entstehen
2012Olympische Anerkennung in London3 Gewichtsklassen — Adams gewinnt erstes Gold
2016Rio 2016 — 5 GewichtsklassenProgramm wächst
2019Hammer vs. Shields, Atlantic CityErster Vier-Gürtel-Vereinigungskampf der Frauen
2024Paris 2024 — 6 GewichtsklassenImane Khelif gewinnt Gold im Weltergewicht
Wichtige Stationen des Frauenboxens — von Wilkinson 1722 bis Paris 2024.

Der Weg zur Anerkennung: 1996–2012

Der Weg dorthin verlief in Sprüngen, jeder einzelne erkämpft. 1996 brachten Christy Martin und Deirdre Gogarty einen landesweit übertragenen Kampf ins amerikanische Fernsehen. Martin landete danach auf dem Cover der Sports Illustrated, und das Frauenboxen war zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit sichtbar. 1998 erstritt die Britin Jane Couch vor Gericht ihre Boxlizenz, nachdem der britische Verband sie ihr verweigert hatte. Ein Diskriminierungsurteil, das einer ganzen Generation den Weg öffnete. 2001 fand in Scranton, USA, die erste Amateur-Weltmeisterschaft der Frauen statt. 2012 schließlich wurde Frauenboxen in London olympisch.

London 2012: das Jahr, das alles veränderte

Vor 2012 war Frauenboxen olympisch nicht existent, abgesehen von einem einzigen Demonstrationswettbewerb 1904. Über ein Jahrhundert lang blieb der Ring bei den Spielen Männersache. In London standen erstmals drei Gewichtsklassen für Frauen im Programm:

  • Fliegengewicht (bis 51 kg) — Gold: Nicola Adams (Großbritannien)
  • Leichtgewicht (bis 60 kg) — Gold: Katie Taylor (Irland)
  • Mittelgewicht (bis 75 kg) — Gold: Claressa Shields (USA, 17 Jahre alt)

Kritiker hatten die Zahl bemängelt, drei Klassen gegenüber zehn bei den Männern. Der Wettbewerb selbst widerlegte die Skepsis. In der North Greenwich Arena war der Lärmpegel so hoch, dass britische Kommentatoren von einem der lautesten Boxabende der Spiele sprachen, besonders bei den Kämpfen der Britin Nicola Adams und der Irin Katie Taylor. Adams gewann im Fliegengewicht das allererste olympische Gold im Frauenboxen, gegen die dreifache Weltmeisterin Ren Cancan aus China, 16:7 nach Punkten.

Das amerikanische Männerteam kehrte erstmals in der Geschichte ohne eine einzige Medaille heim. Die Ehre der USA rettete eine Siebzehnjährige aus Flint: Claressa Shields gewann Gold im Mittelgewicht und wurde mit 17 Jahren die jüngste Boxolympiasiegerin seit 1924.

Von Rio 2016 bis Paris 2024

Vier Jahre später, in Rio 2016, wuchs das Frauenprogramm von drei auf fünf Gewichtsklassen. Tokio 2020 behielt diese fünf bei; Paris 2024 brachte mit sechs Frauenklassen die nächste Annäherung an die sieben der Männer.

Worin sich Frauenboxen vom Männerboxen unterscheidet

Im Ring gelten für Frauen weitgehend dieselben Regeln wie für Männer. Die Unterschiede liegen im Detail:

  • Rundenlänge: 2 Minuten im Profibereich (Männer: 3 Minuten), bis heute kontrovers
  • Brustschutz: Vorgeschrieben
  • Tiefschutz: Optional
  • Gewichtsklassen: 17 Klassen bei den vier großen Verbänden (IBF, WBC, WBA, WBO), vom Minimumgewicht (bis 46,3 kg) bis zum Schwergewicht (über 76,2 kg)

Die meisten hochklassigen Titelkämpfe finden im Leicht-, Welter- und Mittelgewicht statt.

Wer die Kämpferinnen kennenlernen will, die diese Geschichte geschrieben haben, findet sie in der Übersicht Berühmte Boxerinnen.

Häufige Fragen

Wann wurde Frauenboxen olympisch?

Erstmals bei den Olympischen Spielen 2012 in London – mit drei Gewichtsklassen. Davor gab es 1904 in St. Louis nur einen einmaligen Demonstrationswettbewerb.

Wer gewann das erste olympische Gold im Frauenboxen?

Nicola Adams (Großbritannien) im Fliegengewicht, 2012 in London, mit 16:7 nach Punkten gegen Ren Cancan aus China.

Was ist der älteste dokumentierte Frauenkampf?

Der Kampf von Elizabeth Wilkinson 1722 in London – fast dreihundert Jahre vor der ersten olympischen Medaille im Frauenboxen.

Worin unterscheidet sich Frauenboxen vom Männerboxen?

Vor allem in der Rundenlänge: 2 Minuten im Profibereich gegenüber 3 Minuten bei den Männern. Außerdem ist ein Brustschutz vorgeschrieben. Die Ringregeln sind ansonsten weitgehend identisch.